Freiwillige Feuerwehr Walheim
// Geschichte
 

Geschichtliches der
Freiwilligen Feuerwehr Walheim

ab 1965 ab 1975 ab 1985 ab 1995 ab 2005 ab 2015

Unter den Naturgewalten nimmt das Feuer den ersten Platz ein. Zu allen Zeiten galt es, Menschen soweit als möglich vor Wasser- und Feuersnot zu schützen. Daraus erklärt sich auch der Wahlspruch unserer Feuerwehr: „Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr.“ Die Entwicklung der organisierten Feuerwehr lässt sich hier bei uns vom Jahre 1879 an verfolgen.

Am 25. 6. 1879 stellte das königliche Oberamt Besigheim den Antrag an die bürgerliche Gemeinde auf Errichtung einer Trägerabteilung. Zu den entstehenden Kosten von 1000 Mark würde ein Staatsbeitrag von 200 Mark geleistet werden. Der Nutzen einer solchen Abteilung wird sowohl vom Gemeinderat als auch vom Bürgerausschuss anerkannt und deshalb der Beschluss gefasst:

1. die Abteilung aufzustellen,
2. eine Ausrüstung und einen Transportwagen anzuschaffen,
3. die Kellerei als Magazin zu verwenden.

Nun ist es nicht so, dass in den vergangenen Jahren kein Feuerschutz vorhanden gewesen wäre, denn ältere Notizen berichten, dass im Jahre 1740 eine Feuerspritze und in den Jahren 1790/91 zwei Feuerfahnen, 63 Feuereimer und 2 Feuerleitern angeschafft wurden.

Damals allerdings war es Aufgabe und Pflicht jedes Bürgers und jeder Bürgerin, bei Brandausbrüchen aktiv tätig zu sein. Die genehmigten Statuten vom 4. 6. 1881 bestimmen eindeutig, dass die Pflichtfeuerwehr militärisch zu organisieren und jeder tüchtige Mann zwischen 19 und 60 Jahren zum Dienst verpflichtet sei, zum Schutz des Lebens und des Eigentums der Bewohner bei eventuellen Bränden.

Auch die Anzahl der Züge (Abteilungen) und die jeweilige Stärke wurde genau festgelegt.
Die Gesamtstärke wechselte von Jahr zu Jahr. Im Jahre 1897 gab es sogar 7 Züge mit insgesamt 161 Wehrmännern.

Die Aufgaben der einzelnen Züge ergeben sich aus den Namen. So hatte zum Beispiel die Flüchtlingsmannschaft alle gefährdeten Leute auf die im Dorf verteilten Sammelplätze zu bringen (Kelterplatz, Rathausplatz, Kirchplatz und Zimmerplatz). Der 1. Zug war als einziger ganz uniformiert, wohl deshalb, weil nur dieser sich aus Freiwilligen zusammensetzte, die sich auf 5 Jahre verpflichten mussten. (1879 meldete sich keiner!)

Die anderen Züge erhielten Armbinden je von besonderer Farbe. Der Kommandant hatte einen Helm mit weißem Busch, sein Stellvertreter einen solchen mit rotem Busch, sein Stellvertreter einen mit schwarzem Busch.

Der Dienst damals erstreckte sich beim 1. Zug auf 6- bis 8-maliges Ausrücken jährlich, die anderen mussten nur bis 4 mal üben. Für ein Ausrücken erhielt der Feuerwehrmann 20 Pfennig ( zum Vergleich 1972: 2 DM).
Unmoralischer Lebenswandel und dienstliche Versäumnisse wurden streng geahndet. Strafen zwischen 20 Pfennig und 5 Mark waren die Folge.

Am 30. 12. 1881 erhielt die Wehr einen Transportwagen und 1 Jahr später wurden 20 Juppen angeschafft. Am 1. 2. 1883 kamen zwei Feuerspritzen hinzu. Ebenso wurde eine neue Unterkunft für die Geräte gesucht. Die fand man im Rathaus, indem man den Eingang desselben auf die nördliche Hofseite verlegte. Dazu musste die Gemeinde vom Nachbar Klein eine sieben Meter breite Fläche für 950 Mark kaufen.

Die größte Sitzung seit Bestehen fand am 5. 7. 1886 statt, bei der auf Grund der Einwohnerzahl (1034) im Beisein des Oberamtsinspektors genau festgelegt wurde,

1. welche Geräte anzuschaffen sind,
2. wie sich die Feuerwehr in Zukungt zusammensetzt,
3. Feuerwehrpflicht: 18.–50. Lebensjahr.

Das war notwendig, denn mit der Erreichung der Einwohnerzahl 1000 wurde Walheim in die Klasse II eingestuft.

Die Wasserversorgung war gesichert durch eine Zufahrt (später vier) zum Neckar, zwei Schwellvorrichtungen am Baumbach und fünf Pumpbrunnen. An dieser Stelle wäre zu erwähnen, dass es schon im Jahr 1808 eine Lokal-Feuerlöschordnung gab, die immer wieder geändert und auf den laufenden Stand gebracht wurde. Jeder aktive Bürger musste demzufolge zu Hause einen Feuereimer haben, den er nicht zu Nebenzwecken verwenden durfte. Er erhielt in bei Verheiratung von der Gemeinde, musste jedoch den Preis ersetzen. Ferner wurde bestimmt, dass jeder Bürger, „auch die Weibsperson“, bei Brandfällen Hilfe zu leisten hatten, Küfer und Kübler hatten ihre Zuber und Butten, Bäcker ihre Gölten, Gerber und Fischer ihre Wasserstiefel und Schapfen mitzubringen. „Blose Zuschauer bei einem Brande, sie mögen seyn, wer sie wollen, werden nicht geduldet, sondern zur Arbeit angehalten.“

Allen Pferdebesitzern wurde zur Pflicht gemacht, bei einem ausbrechenden Brande mit angeschirrten Pferden, nach auswärts mit angespannten Wagen, vor dem Rathaus zu erscheinen und diejenigen Dienste zu leisten, die ihnen vom Ortsvorsteher oder Kommandanten angewiesen wurden. Sie werden fragen, wie man das wissen sollte? Nun – bei einem Brandfall am Ort läuteten  alle Glocken und Hornsignale ertönten, bei einem Brand außerhalb trat nur die Rathausglocke in Aktion. Derjenige Pferdebesitzer, der zuerst am Rathaus erschien, erhielt 5 Mark, der zweite 4 Mark und der dritte 3 Mark Prämie.
Wie aus einer chronologischen Aufstellung der Brandfälle zu ersehen ist, gehen mit der Einführung der massiveren Bauweise die Brände zurück.

Im Jahre 1882 (es brannte dreimal in kurzen Zeitabständen) vermutete man Brandstiftung und setzte von der Gemeinde für Hinweise, die zur Ermittlung des Täters führen könnten, 100 Mark Prämie aus.

Außerdem wurde die Feuerwehr beauftragt, Sicherheitswachen aufzustellen – den Täter fing man nicht!
Mit der im Jahre 1907 eröffneten Wasserleitung verbesserte sich sprunghaft die Brandbekämpfung, denn nun standen 31 Hydranten zur Verfügung, von denen jeder etwa 2 Liter/sek. Wasser liefern konnte.

Einen großen Einschnitt brachte das Jahr 1931. Am 3. Januar wurde die Pflichtfeuerwehr in eine Freiwillige Feuerwehr umgewandelt, die sich eine Satzung gab.

Die Dienstzeit betrug mindestens fünf Jahre, und den Dienst konnten nur tüchtige Männer zwischen 20 und 40 Jahren antreten.
Kelterbrand
Brand der Kelter in den 30er-Jahren.

Der neu gebildete Verwaltungsrat (bestehend aus dem Kommandanten, dem Stellvertreter, Zugführern, Schriftführer und Kassierer) entschied über Aufnahme und Einteilung, ebenso über Kosten und Anschaffungen.

Der Stab der Mannschaft (Kommandant, Stellvertreter, Kassierer, Schriftführer und Geräteverwalter als 1 Person) wurde von sämtlichen Mannschaften auf fünf Jahre gewählt (regelmäßig im März eines Jahres), die Zugführer hingegen von den Mannschaft des betreffenden Zuges. Bei Stimmengleichheit entschied das Los, außerdem hatte mindestens die Hälfte der Mitglieder anwesend zu sein. Mit Beginn der Hitler-Ära wurde die Führungsspitze der Feuerwehr gleichgeschaltet, d. h. ein Nichtarier oder ausländischer Staatsbürger durfte kein Amt innehaben. In den Dienst wurden auch Schießübungen aufgenommen, jedoch nicht zur Freude der Feuerwehrmänner.

Schwer war der Aufbau nach dem zweiten Weltkrieg, doch Gott sei Dank fanden sich Männer, die wussten dass der Dienst am Nächsten ein ehrenvoller ist.
Als Annerkennung wurden außer Emil Edelmann (25 Jahre Kommandant der Feuerwehr) noch 13 tapfere Männer mit dem Feuerwehrabzeichen  ausgezeichnet.
Sie alle namentlich aufzuführen, ginge hier zu weit. Dass ihre Leistung von allen als solche anerkannt und geachtet wird, steht außer Zweifel.

Festumzug 1952 in der Hauptstraße 1952 beteiligte sich die Freiwillige Feuerwehr Walheim, mit Uniformspenden an die Volksschule, am Kinderfest. Hier bei Festumzug in der Hauptstraße.

1964 wurde das erste Feuerwehrfahrzeug ein Opel Blitz beschafft. 1970 gab es einen Wechsel im Amt des Feuerwehrkommandanten: Emil Edelmann stellte sich nicht mehr zur Wahl, sein Nachfolger wurde Fritz Bezner, dessen Stellvertreter Rolf Reustle, Paul Hermann nachfolgte. 1972 beschaffte man einen leichten, handbetriebenen Hilfeleistungssatz (Schneidgerät, Handpumpe und verschiedene Handwerkzeuge zur technischen Hilfeleistung).
Vier umlauftunabhängigen Atemschutzgeräten, Ausbildungslehrgänge zum Atemschutzgeräteträger wurden 1974 angeschafft und durchgeführt.

1975 brannte im Ortsteil Wannengraben das Wirtschaftsgebäude eines Aussiedlerhofes bis auf die Grundmauern nieder. Nach diesem schrecklichen Ereignis wurde Mitte der 70er-Jahre ein Spritzenhäuschen für die Bewohner mit einem fahrbaren Handwagen erbaut. Brand Wannengraben
Brand Wannengraben Brand Wannengraben
Brand Wannengraben Brand Wannengraben

1976 gab es wieder einen Wechsel im Amt des stellvertretenden Kommandanten. Rolf Reustle stellte aus gesundheitlichen Gründen sein Amt zur Verfügung, Kurt Edelmann wurde zu seinem Nachfolger gewählt und übernahm auch das Amt des Kassenverwalters, außerdem begannen die ersten Lehrgänge zur Feuerwehrgrundausbildung und zum Truppführer, der Einbau eines Feuerwehrfunkgerätes, Handsprechfunk und Intensivierung der Fortbildung in Theorie und Praxis. Nach dem großen Neckarhochwasser wurden 1978 von fünf Elektro-Tauchpumpen beschafft.
In diesem Jahr wurde auch mit den Planungen zum Einbau eines Feuerwehrhauses in die leerstehende alte Weinkelter begonnen.

Neckarhochwasser 1979 Hauptübung zum 100-jährigen Jubiläum
1979 Neckarhochwasser, hier im Dammweg. Der alte Opel Blitz bei der Schauübung zum 100-jährigen Jubiläum 1980.

Gruppenfoto 1980
Gruppenfoto zum 100-jährigen Bestehen 1980.

1980 wurde das Feuerwehrhaus in der Kelter übergeben und man konnte das 100-jährige Jubiläum feiern. Eigentlich was diese Feier schon 1979 fällig, aus Gründen des Feuerwehrhaus-Neubaues wurde sie um ein Jahr verschoben. Durch diesen Bau ergaben sich völlig neue Möglichkeiten für das dienstliche- und kameradschaftliche Leben in der Feuerwehr.
1981 wurde die Altersabteilung gegründet. Außerdem fand in diesem Jahr der erste Tag der offenen Tür statt.

Brand WLZ Brand WLZ
Großbrand im Lagerhaus der Walheimer Bank Anfang der 80er .
1983 wurden weitere Funkgeräte beschafft, und der Gemeinderat beschloss die Beschaffung eines neuen Löschgruppenfahrzeuges.
Im Sommer 1984 wurde das neue LF 16/12 (Mercedes-Benz, Ziegler Aufbau) abgeholt und bis zur offiziellen Übergabe einen Tag vor dem ersten Dorffest im September intensiv damit geübt. In diesem Jahr beteiligte man sich erstmalig am Dorffest. Die „stille“ Alarmierung wird mit zunächst fünf tragbaren Funkmeldeempfängern begonnen.
LF 16
LF 16

1985 gab es einen Wechsel in der Führungsspitze: Fritz Bezner stellte sich nicht mehr zur Wahl. Zum neuen Kommandant wurde Kurt Edelmann, und zu seinem Stellvertreter Karl Häberle gewählt.
Die Funkalarmierung wurde ausgebaut und ein kompletter Rettungssatz mit Schneidgerät und Spreizer wurde beschafft.

Konfirmation 1985 Vereinpokalturnier 1989
Mitwirkung bei der Konfirmation im Jahr 1985. 1989 Fußball-Vereinspokalsieger mit der Mannschaft Feuerwehr/HHC.

1987/88 gab es die ersten ernsthaften Bemühungen zur Beschaffung eines Tanklöschfahrzeuges. 1990 konnte die Feuerwehr Walheim nun komplett über Funkmeldeempfänger alarmiert werden und die Sirenen wurden abgeschaltet.

1991 im März wurde nach dem Beschluss des Gemeinderates die Jugendfeuerwehr gegründet, erster Übungstag war der 21. März 1991.

1992 erfolgte der Beschluss des Gemeinderates zur Beschaffung eines neuen TLF 16/25. Am 3. Dezember 1994 wurde das Tanklöschfahrzeug (TLF 16/25) durch den Bürgermeister Martin Gerlach übergeben. TLF 16/25
TLF 16/25

1996–98 Beschaffung von Funkgeräten und hydraulischen Rettungsgeräten (Teleskopstempel). Des weiteren wurden vom Kraftwerksbetreiber weitere zwei Chemieschutzanzüge für die Feuerwehr beschafft. Die ersten beiden konnten schon 1987 übernommen werden.
Das 10-jähriges Jubiläum der Jugendabteilung beging man 2001 mit einer großen Übung und mehrer Jugendfeuerwehren aus dem Bereich Besigheim auf dem Gelände der Firma Pfander. 2002 wurde die Alarmierung von analog auf digital umgestellt und 35 DME’s Ersatzbeschafft.

125-jähriges Jubiläum
Gruppenfoto zum 125-jährigen Bestehen 2004.

2005 Ersatzbeschaffung von zwei neuen Chemieschutzanzügen. Wechsel in der Feuerwehrführung: Marko Horwath wurde zum Nachfolger von Kurt Edelmann gewählt der sich aus gesundheitlichen- und Altersgründen nicht mehr zur Wahl stellte. Beschaffung eines Mannschaftstransportfahrzeuges (MTW) und Einrichtung eines neuen Funktisches und PC. Im Jahr 2008 wurde ein Mehrzweckboot für Einsätze auf dem Neckar beschafft, und bildet gemeinsam mit der DLRG-Einsatzgruppe Bönnigheim/Kirchheim und der Feuerwehr Gemmrigheim eine Ausrückegemeinschaft für den Neckar.
Dass auch kleine Feuerwehren innovativ und wegweisend sein können, bewies die Frewillige Feuerwehr Walheim 2009 mit der Gründung einer der ersten Kinderfeuerwehren in Baden-Württemberg. Jeden zweiten Freitag treffen sich Kinder zwischen fünf und zehn Jahren.
2011 beging man das 20-Jährige Jubiläum der Jugendfeuerwehr Walheim mit Festbetrieb und einer Großübung bei der Firma Pfander mit den Jugendfeuerwehren aus Bönnigheim, Freudental, Löchgau, Hessigheim, Besigheim, Erligheim und natürlich Walheim sowie die DRK-Ortsgruppe aus Besigheim.

125-jähriges Jubiläum
Die Freiwillige Feuerwehr Walheim im Jahr 2012.

Gemeinsam mit der Feuerwehr Besigheim wird 2014 die "Unterstützungseinheit Gefahrgut" für den nördlichen Landkreis Ludwigsburg gebildet. Im Dezember 2014 wurde der 2005 beschaffte MTW durch einen neuen, gebrauchten VW Transporter, aus eigenen Mitteln ersetzt. Dank zahlreicher Spenden von Walheimer Betrieben hielt sich die finanzielle Belastung für die Kameradschaftskasse in Grenzen. Ebenfalls in diesem Jahr wurde durch Eigenleistung der Feuewehrangehörigen mit dem Umbau des ehemaligen Werkstattgebäudes der Firma Pfander zum neuen Feuerwehr-Gerätehaus begonnen.

2015 wurde Steffen Wahl zum stellvertretenden Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Walheim gewählt. Er löst damit Karl Häberle ab, der dreißig Jahre lang dieses Amt inne hatte und sich aus Altersgründen nicht mehr zur Wahl stellte. Karl Häberle erhiehlt für diese lange Tätigkeit das Ehrenkreuz des Deutschen Feuerwehrverbands in Silber.

Das neue Feuerwehrhaus in der Mühlstraße 112 wurde von den Walheimer Feuerwehrleuten am 11. Juli 2016 bezogen. Mit einem Umzug marschierte die aktive Einsatzabteilung sowie die Jugendfeuerwehr vom alten Gerätehaus in der Hauptstraße, das in der Kelter untergebracht war, zum neuen Domizil in der Mühlstraße. Mit einem Festakt am 2. September und einem Festwochenende am 3./4. September wurden die neuen vier Wände der Feuerwehr standesgemäß eingeweiht und gleichzeitig das 25-jährige Bestehen der Jugendfeuerwehr mit einer Großübung gefeiert.


Walheimer Kommandanten bis heute:

...–1931 Friedrich Kauz
1931–1945 Gustav Alber
1946–1970 Emil Edelmann
1970–1985 Friedrich Bezner
1985–2005 Kurt Edelmann
seit 2005 Marko Horwath

Notruf 112

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